Auf Gottes Handeln warten | World Challenge

Auf Gottes Handeln warten

David WilkersonJune 28, 2010

Ich glaube, nur wenige Christen halten sich selbst für ungeduldig. Die meisten wahren Nachfolger Jesu werden zugeben, dass sie noch nicht am Ziel sind, dass sie Christus noch nicht so ähnlich sind, wie sie es gerne wären. Und sie werden Bereiche in ihrem Leben nennen, in denen noch beträchtliche Fortschritte nötig sind. Doch nur wenige Christen erkennen in sich eine gewisse Form der Ungeduld, die geistlicher Art ist.

Sie ist subtil, kann aber im Leben der meisten treuen Diener Gottes Verwirrung anrichten. Tatsächlich hat sie den Glaubensweg vieler Christen beeinträchtigt. Um verständlich zu machen, welche Art von Ungeduld gemeint ist, schlage ich vor, diese Ungeduld als eine Form von Stolz zu bezeichnen. Und ich beziehe diese Definition direkt aus der Bibel: Stolz ist Unabhängigkeit, während Demut Abhängigkeit ist.

Die Art von Stolz, von der ich hier spreche, ist die Ungeduld zu warten, bis Gott zu seiner Zeit und auf seine Weise handeln wird. Man hat es eilig, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Nach jahrzehntelangem Dienst bin ich überzeugt, dass darin eine der größten Versuchungen für jeden wahrhaft gläubigen Menschen liegt: voreilig selbst aktiv zu werden, wenn man den Eindruck hat, dass Gott nicht schnell genug handelt.

Ein besonders deutliches biblisches Beispiel für jemand, der nicht auf Gottes Zeitpunkt warten konnte, ist König Saul.

Genau diese Sünde beging Saul bei Gilgal in der frühen Zeit seiner Königsherrschaft über Israel. Der Prophet Samuel hatte Saul zum König gesalbt und nun sprachen die zwei Männer über den großen Krieg gegen die Philister, der Israel bevorstand. Samuel machte Saul unmissverständlich klar, dass er von Gott dazu berufen war, die Macht der Philister über Israel zu brechen.

Als der Krieg näher rückte, gab Samuel Saul die Anweisung, auf ihn zu warten, bevor er in den Kampf zog. Das ganze Volk sollte sich in Gilgal versammeln und den Herrn um Weisung anrufen, und Samuel würde mit einem konkreten Wort vom Herrn zu ihnen zurückkommen. Er sagte zu Saul: "Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir kundtue, was du tun sollst" (1. Samuel 10,8).

Einfach ausgedrückt ging es darum, dass Gott alles in der Hand behielt. Der Plan, wie die Philister bekämpft werden sollten, war ausschließlich seine Sache. Samuel repräsentierte die Stimme des Herrn und durch ihn würde Israel Gottes übernatürliche, souveräne Führung erfahren. Gott selbst würde alle Pläne Israels festlegen und ihnen zeigen, wie sie kämpfen sollten.

Saul sollte also in Gilgal warten, bis Samuels Nachricht eintraf. Doch der Kampf begann früher als erwartet, als Sauls Sohn Jonatan in Geba die Wachen der Philister erschlug. Sobald dies geschehen war, ließ Saul die Trompeten blasen, um das Volk in Gilgal zu versammeln.

Doch während er dort auf Samuels Ankunft wartete, wurde er ungeduldig. Die Philister waren bereits auf dem Vormarsch, doch nach Gottes Gebot durfte Saul sich nicht rühren, bis Samuel das Wort brachte, das Israel im Kampf leiten sollte.

Inzwischen geriet das Heer der Israeliten allmählich in Panik. Sie waren nur eine kleine, zusammen-gewürfelte Miliz und besaßen nicht ein einziges Schwert. Alles, was sie hatten, waren Äxte und andere Bauernwerkzeuge, während ihre Feinde aus sechstausend Reitern, mehreren tausend Wagen und einem Heer von Soldaten bestanden, die ihnen so zahlreich vorkamen wie der Sand am Meer. Als dieses gewaltige, gut bewaffnete Militär der Philister sich näherte, bekamen es Sauls Männer mit der Angst zu tun. Es dauerte nicht lange, bis die Ersten in alle Richtungen desertierten.

Gott wusste im Voraus, dass Israel in diese Lage geraten würde. In Wirklichkeit war das genau die militärische Krise, die Samuel mit Saul erörtert hatte, um ihn vorzubereiten. Ungeachtet der Größe oder Schlagkraft ihrer Feinde sollte Israel sich versammeln und im Glauben warten, bis Gott seine klare Weisung gab. Es ging nicht nur um ein allgemeines Warten, sondern um ein "Warten bis..." – bis das Wort kam, bis ihnen eine Weisung aus dem Himmel erteilt wurde. Samuel hatte Saul unmissverständlich angewiesen: "Warte, bis ich zu dir komme und dir sage, was du tun sollst."

Stattdessen setzte Saul Gott eine Frist. Er sprach dies zwar nicht aus, aber in seinem Herzen hatte er diese Frist festgelegt. Wenn bis zu einer bestimmten Zeit kein Wort von oben eingetroffen war, so hatte Saul bei sich beschlossen, dann würde er selbst alles Nötige unternehmen, um die Situation zu retten.

"Da wartete er sieben Tage bis zu der Zeit, die von Samuel bestimmt war. Und als Samuel nicht nach Gilgal kam, begann das Volk von Saul wegzulaufen. Da sprach er: Bringt mir her das Brandopfer und die Dankopfer. Und er brachte das Brandopfer dar" (1. Samuel 13,8-9).

Ungeduldig schritt Saul zur Tat und sündigte, indem er sich anmaßte, wie ein Priester das Opfer darzubringen. Er ahnte ja nicht, wie nahe Samuel schon war. Jeden Moment würde der Prophet eintreffen, das Opfer riechen, das Saul dargebracht hatte, und über die sündige Ungeduld des Königs zornig werden.

Samuel verspätete sich nur wenige Stunden, weil Saul auf eine Bewährungsprobe gestellt wurde.

Ich bin überzeugt, dass Samuel sich verspätete, weil Gott zu ihm geredet und ihm den genauen Zeitpunkt genannt hatte, an dem er ankommen sollte. Sehen Sie, es war eine Prüfung, um festzustellen, ob Saul glauben würde, dass er sich auf Gott verlassen konnte. Diese Bewährungsprobe sollte zeigen, ob Saul im Glauben geduldig warten würde, auch wenn die Dinge nicht nach dem erwarteten Zeitplan abliefen.

Tatsache ist, dass Gott selbst das alles so lenkte. Er hatte vor, Saul in der Erfahrung zu bestärken, dass er sich in jeder Situation und besonders in einer düsteren Krise in demütiger Bescheidenheit auf Gott verlassen konnte. Doch Saul bestand diese Prüfung nicht. Er starrte auf die sich zuspitzende Lage, die völlig aussichtslos erschien. Die Logik sagte ihm, dass die Zeit schon viel zu weit fortgeschritten war und dass man endlich etwas unternehmen musste.

Können Sie sich in Sauls Lage versetzen? Ich höre geradezu, wie er bei sich dachte: "Ich halte diese Unschlüssigkeit nicht mehr aus. Gott hat mich berufen, sein Werk zu tun, und ich bin bereit, für seine Sache zu sterben. Also muss ich dann wirklich hier herumsitzen und tatenlos zuschauen? Ich muss irgendetwas unternehmen, sonst ist alles aus. Wenn ich nicht handle, wird alles außer Kontrolle geraten."

Saul fühlte sich genötigt, in dieser Lage unverzüglich zu handeln. Und am Ende siegte seine Ungeduld.

Ich muss zugeben, dass ich diesen Fehler in meinem Leben mit dem Herrn selbst manchmal gemacht habe. In gewissen Situationen habe ich nicht auf seine Weisung gewartet, sondern die Dinge selbst in die Hand genommen. Das Gefühl der Hilflosigkeit und Sorge macht mir einfach zu schaffen. Nie habe ich das stärker empfunden als in den 1980er Jahren, als wir wieder nach New York zogen, um die Times Square Church zu gründen.

Nachdem wir in Texas jahrelang in einem Eigenheim gewohnt hatten, sah ich mich jetzt wieder der Willkür von Vermietern und den Zeitplänen von Hausverwaltern ausgeliefert.

Wenn irgendetwas nicht funktionierte, musste ich warten und das machte mich ungeduldig. Eine Zeit lang mieteten wir Räume von Theaterbesitzern am Broadway und ich drängte auf ein eigenes Gebäude. Ich flehte: "Herr, hier in New York gibt es so viel zu tun und die Zeit ist so knapp. Wie lange müssen wir noch warten? Wir brauchen dein Eingreifen."

Doch ein ums andere Mal gab Gott mir geduldig zur Antwort: "David, vertraust du mir? Dann warte. Nachdem du alles getan hat, was du konntest, halte nun still und siehe meine Hilfe."

Sicher kennen Sie den Spruch: "Der härteste Teil des Glaubens ist die letzte halbe Stunde." Das kann ich aus meinen Jahren im Dienst vielfach bestätigen. Die schwierigste Phase ist immer unmittelbar vor der Erhörung, bevor Gott seine Befreiung wirkt. Und das ist der Punkt, an dem wir ins Wanken geraten und schwach werden. Plötzlich wird die Versuchung stark, selbst irgendetwas in die Wege zu leiten. Das kann dazu führen, dass wir in Verwirrung geraten und uns auf Pläne einlassen, die nicht von Gott stammen.

Denken Sie an die Lektion von Saul, der Gott vorgriff: "Als [Saul] aber das Brandopfer vollendet hatte, siehe, da kam Samuel. Da ging Saul ihm entgegen, um ihm den Segensgruß zu entbieten" (1. Samuel 13,10). Die göttliche Weisung stand in wenigen Minuten bevor. Doch Saul konnte nicht abwarten.

Es hat gravierende Folgen, wenn wir nicht auf Gottes Handeln warten

In solchen Zeiten geschieht es allzu oft, dass wir Gott Nachlässigkeit vorwerfen. Saul tat dies, indem er aus Ungeduld selbst handelte. Damit drückte er im Grunde aus: "Gott hat mich zwar gesandt, sein Werk zu tun. Aber jetzt hat er es mir überlassen, einen Weg zu finden, wie das alles geschehen kann. Ich bin gezwungen, still zu sitzen und zu warten, aber bestimmt will er, dass ich handle. Die Dinge geraten allmählich außer Kontrolle. Bald wird die Lage hoffnungslos sein."

Vielleicht beschreibt es, was auch Sie manchmal denken. Wie Saul ist auch jeder von uns aufgefordert, auf den Herrn zu warten, still auszuharren und zu sehen, wie er unsere Befreiung wirkt. Wir sollen ihm in allen Dingen vertrauen, damit er unsere Schritte lenken kann. Doch wenn unsere innere Frist überschritten ist, werden wir ärgerlich gegen Gott und machen uns irgendwann selbst ans Werk. Indem wir ihm vorgreifen, erklären wir: "Gott kümmert sich nicht um mich. Gebet und Warten nützt nichts. So werden die Dinge immer noch schlimmer. Man kann sich nicht auf sein Wort verlassen."

Gott hat uns aber die Verantwortung übertragen, betend auf ihn zu warten. Er wünschte so sehr, Saul sagen zu hören: "Der Herr hält sein Wort. Ich weiß, dass er treu zu Samuel spricht. Kein einziges Wort von den Lippen dieses Propheten ist je hinfällig gewesen. Auch wenn die mächtigen Philister gerade auf uns zumarschieren, werde ich nicht in Panik geraten. Gott hat mir gesagt, dass ich auf seine Weisung warten soll – und das werde ich auch tun. Sollte ich umkommen, dann sterbe ich im Vertrauen auf Gott.

Und wenn mein ganzes Heer desertiert! Und wenn jeder Israelit ein Feigling wäre! Gott ist wahrhaftig und jeder Mensch ein Lügner! Er wird mir Hilfe senden. Dies ist nicht mein Kampf – es ist seiner. Tatsache ist ja, dass ich nicht die geringste Vorstellung habe, wie ich gegen die Philister vorgehen soll. Das alles liegt in seiner Hand. Ich werde genau das tun, was er mir aufgetragen hat, und das heißt, ich werde auf sein Wort warten. Er wird meinen Herzensruf hören und handeln."

Beunruhigende Umstände und heftige Turbulenzen können uns in Verwirrung stürzen. In solchen Zeiten fangen wir in unserer Ungeduld an, uns Gedanken zu machen: "Gott hat das, was er zu mir sagte, offenbar nicht so gemeint. Oder das Problem liegt in meiner Unfähigkeit, seine Stimme zu hören. Vielleicht habe ich ihn von Anfang an falsch verstanden. Jedenfalls weiß ich nur eines: Das, was er mir sagte, und die Art, wie die Dinge sich entwickeln, passen einfach nicht zusammen."

Saul handelte aus reiner Logik und eigener Überlegung, nicht aus Vertrauen. Achten Sie einmal auf die Reihe von Entschuldigungen, mit denen er sich vor Samuel dafür rechtfertigen wollte, dass er Gottes Anweisung vorgegriffen hatte: "Ich sah, dass das Volk von mir wegzulaufen begann, und du kamst nicht zur bestimmten Zeit, während doch die Philister sich schon in Michmas versammelt hatten. Da dachte ich: Nun werden die Philister zu mir herabkommen nach Gilgal, und ich habe die Gnade des Herrn noch nicht gesucht; da wagte ich's und opferte Brandopfer" (1. Samuel 13,11-12). Saul nahm die Dinge selbst in die Hand und tat, was er aus eigener Überlegung für seine einzige Alternative hielt. Das Ergebnis war beklagenswert.

Das Warten auf Gott ist so wichtig, dass wir überall in der Bibel Hinweise darauf finden. Jesaja schreibt: "Zu der Zeit wird man sagen: ‚Siehe, das ist unser Gott; wir haben auf ihn gewartet, und er wird uns retten. Das ist der Herr; wir haben auf ihn gewartet, wir werden jubeln und fröhlich sein über sein Heil'" (Jesaja 25,9; aus dem englischen Original übersetzt). "Seit Anbeginn der Welt haben Menschen nicht gehört, hat ihr Ohr nicht vernommen noch ihr Auge gesehen einen Gott außer dir, der denen wohltut, die auf ihn warten" (Jesaja 64,3; aus dem englischen Original übersetzt).

Es ist aufschlussreich, Sauls Ungeduld mit David zu vergleichen, der auf die Weisung des Herrn wartete. Die Bibel beschreibt eindringlich, mit welcher Klarheit und konkreten Anweisung Gott zu David sprach:

"Die Philister aber zogen abermals herauf und breiteten sich aus in der Ebene Refaïm. Und David befragte den Herrn; der sprach: Du sollst nicht hinaufziehen ihnen entgegen, sondern komm von hinten über sie, dass du sie angreifst vom Bakawalde her. Und wenn du hörst, wie das Rauschen in den Wipfeln der Bakabäume einhergeht, so eile; denn dann ist der Herr ausgezogen vor dir her, zu schlagen das Heer der Philister. David tat, wie der Herr ihm geboten hatte, und schlug die Philister von Gibeon an bis hin nach Geser" (2. Samuel 5,22-25)

Das Kreuz symbolisiert den Tod meines menschlichen Willens und meiner fleischlichen Ambitionen

Darin liegt wahre Demut: "Christus erniedrigte sich selbst bis zum Tod am Kreuz." Jesus hatte zu seinen Jüngern gesagt: "Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk" (Johannes 4,34). "Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich" (5,30). Einfach ausgedrückt erklärte Christus hier im Wesentlichen: "Ich weigere mich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ich warte auf jede Anweisung meines Vaters."

Jesus lebte in Demut, indem er sich in allen Dingen vom Vater abhängig machte. Johannes sagt uns, dass wir ihm darin ähnlich sein sollen: "Denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt" (1. Johannes 4,17).

Jeder wahre Nachfolger Christi hat in seinem bzw. ihrem Herzen gesagt: "Ich will nur nach dem vollkommenen Willen Gottes handeln." Doch das ist genau der Punkt, an dem so viele von uns das Ziel verfehlen. Zuerst wünschen wir etwas, das uns gut erscheint, das sich logisch anhört, das perfekt mit dem übereinzustimmen scheint, was Gott unserer Meinung nach für uns vorhat – aber es ist gar nicht sein Wille für uns. Das ist eine der größten Fallen, in die Christen tappen: eine gute Idee, die nicht aus Gottes Gedanken stammt.

Die wichtigste Frage, die wir uns in dieser Hinsicht stellen können, lautet: "Kann mein Wunsch das Kreuz überleben?" Sie können darum beten, dass Ihr Wunsch verwirklicht wird, und auch andere treue Christen bitten, im Gebet dafür einzutreten. Aber sind Sie bereit, diesen Wunsch oder Plan am Fuß des Kreuzes hinzulegen und dort liegen zu lassen? Können Sie dieser Sache "sterben"? Wenn Gottes Plan offenbart wird, werden Sie Frieden haben. Gottes Wege bringen Frieden und innere Ruhe mit sich.

Ich möchte Ihnen die Frage stellen, ob Sie bereit sind, zum Herrn zu sagen: "Vielleicht ist es nicht der Teufel, der mich in meinem Vorhaben aufhält, vielleicht bist du es, Herr. Ich weiß, dass diese Sache mir schaden könnte, wenn sie nicht dein Wille ist. Zumindest würde sie mich von deinem vollkommenen Willen und von deinen Plänen für meinen weiteren Weg ablenken. Ich möchte nur deinen Willen tun und nur deine Wege für mein Leben gehen."

Wenn wir in den Tod unseres Eigenwillens und Ehrgeizes hinabsteigen, werden wir hören, wie Gott zu uns spricht.

"Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes... es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden" (Johannes 5,25.28).

Geliebte, es gibt tausende Christen, die in Schwierigkeiten geraten, weil sie eine "leise, innere Stimme" hören, die gar nicht von Gott ist. Unter den Gläubigen herrscht heute viel Verwirrung, weil sie ihrem Eigenwillen nicht gestorben sind, um die wahre Stimme Gottes hören zu können. Ja, unser Herr spricht zu seinen Kindern. Seine heilige, unmissverständliche Stimme können wir aber nur dann hören, wenn wir im Glauben annehmen, dass unser alter, unabhängiger Mensch mit Christus gekreuzigt ist.

Er sucht nach Menschen, die sich rückhaltlos von ihm abhängig machen. Diese Art von Abhängigkeit bedeutet, voll und ganz darauf zu vertrauen, dass er in der richtigen Art und Weise für uns das Richtige tun wird. Und es bedeutet, geduldig auf ihn zu warten, nicht mit Sorge, sondern mit innerer Ruhe.

"Sei stille dem Herrn und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht, der seinen Mutwillen treibt... entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust" (Psalm 37,7-8). Der Psalmist gibt uns hier einen weisen Rat: "Sei nicht neidisch auf andere, die mit ihrem Ehrgeiz Erfolg zu haben scheinen. Es sieht so aus, als würden sie dich überrunden, während du nicht gesegnet wirst. Aber du sollst dir darüber keine Sorgen machen. Warte einfach still im Gebet, bis Gott die Tür öffnet. Die Geduld wirkt etwas in dir, das Gott wohlgefällig ist. Durch das Warten im Glauben wirst du stark im Herrn. Gib der Geduld Raum, ihr vollkommenes Werk in dir zu erfüllen."

Geliebte, Gottes Weg ist nicht der Weg der Welt. Und der einzige Weg zu Erfahrungen, die Gott wohlgefallen, ist das geduldige Warten auf ihn im Glauben. Erfahrungen dieser Art machen diejenigen, die in inniger Gemeinschaft mit dem Herrn leben: "Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung" (Römer 5,3-4).

Tatsächlich setzt Gott ein "des Herrn würdiges Leben" mit freudiger Geduld und Langmut gleich: "…dass ihr des Herrn würdig lebt, ihm in allen Stücken gefallt... und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut" (Kolosser 1,10-11; meine Hervorhebung)

In der Zwischenzeit, während wir im Glauben auf sein Handeln warten, sollen wir darauf vertrauen, dass er das Flehen unseres Herzens hört: "Nehmt, liebe Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn... denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer" (Jakobus 5,10-11). Unsere Tränen und unser Seufzen bewegen Gott zutiefst. Er hört mein Weinen.

Jesus gab uns für diese letzten Tage eine felsenfeste Zusage

Christus hat uns eine herrliche Verheißung gegeben, die uns durch die düsteren Tage durchbringen soll, vor denen die Welt heute steht. Er sagt zu allen, die ihr Kreuz aufnehmen und ihm nachfolgen: "Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen" (Offenbarung 3,10).

Jesus sagt damit im Grunde: "Du bist treu geblieben, als du durch die Welt auf die Probe gestellt wurdest. Du hast freudig darauf gewartet, dass ich die Dinge in die richtigen Wege leite. Während jetzt überall Verwirrung herrscht und die Welt geprüft wird, werde ich dich davor bewahren. Du hast schon unter Beweis gestellt, dass du mir vertraust, was immer auch geschieht!"

Die strahlenden Zeugen für Christus in diesen letzten Tagen werden demütige Menschen sein, die seine Treue selbst erfahren haben. Sie verkünden nicht nur: "Gott hat alles unter Kontrolle", sondern haben ihm die Kontrolle über ihr eigenes Leben überlassen. Und jeder in ihrer Umgebung hat es gesehen! Die Schönheit dessen, was sie aus eigener Erfahrung bezeugen, wird viele Menschen zum Herrn ziehen. Denn ein solcher Christ kann bezeugen: "Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den Herrn" (Psalm 112,7).

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