Das Angesicht Gottes suchen | World Challenge

Das Angesicht Gottes suchen

David WilkersonNovember 7, 2005

In Psalm 27 fleht David in einem dringenden, intensiven Gebet Gott an. Er bittet inständig in Vers 7: „Höre, HERR, mit meiner Stimme rufe ich: sei mir gnädig und erhöre mich!“ Sein Gebet ist auf den einen Wunsch konzentriert, das eine Bestreben, auf etwas, das alles verzehrend für ihn geworden ist: „Eins habe ich vom HERRN erbeten, danach trachte ich“ (27,4).

David bezeugt: „Ich habe ein Gebet, Herr, eine Bitte. Es ist mein einzig wichtigstes Ziel im Leben, mein ständiges Gebet, die eine Sache, nach der ich mich sehne. Und ich werde danach suchen mit allem, was in mir ist. Diese eine Sache verzehrt mich als mein ständiges Ziel.“

Was war diese eine Sache, nach der sich David mehr als alles andere sehnte, das Objekt, auf das zu erlangen er sein Herzen gerichtet hatte? Er sagt uns: „Zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken in seinem Tempel“ (27,4).

Täuschen Sie sich nicht: David war kein Asket, der die äußere Welt mied. Er war kein Einsiedler, der danach trachtete, sich an einem einsamen Wüstenort zu verstecken. Nein, David war ein leidenschaftlicher Mann der Tat. Er war ein großer Krieger und gewaltige Menschenmengen sangen von seinen Siegen in der Schlacht. Aber er war auch leidenschaftlich in seinem Gebet und in seiner Hingabe, mit einem Herz, das nach Gott verlangte. Und der Herr hatte David mit so vielem aus den Sehnsüchten seines Herzens gesegnet.

In der Tat, David schmeckte alles, was sich ein Mensch im Leben wünschen konnte. Er hatte Reichtum und Wohlstand, Macht und Autorität kennengelernt. Er hatte den Respekt, das Lob und die extreme Bewunderung von Menschen empfangen. Gott hatte ihm Jerusalem als die Hauptstadt des Königreichs gegeben. Und David war von ergebenen Männern umgeben, die willens waren, für ihn zu sterben.

Vor allem aber war David ein Anbeter. Er war ein preisender Mann, der Gott Dank sagte für alle seine Segnungen. Er bezeugte: „Der Herr legte täglich Segnungen auf mich!“ Doch zur selben Zeit war David ein Mann des Krieges. Er sah sich sein Leben lang Feinden und Problemen gegenüber. Die ganze Hölle war damit beschäftigt, diesen gottesfürchtigen Mann zu vernichten. Tatsächlich sah sich David jetzt einer ganzen Menge gegenüber, die um ihn her lagerte, böse Feinde, die geschworen hatten, „mein Fleisch zu fressen“ (27,2).

Aber David hatte keine Angst. Gleich im ersten Vers seines Psalms erklärt er: „Vor wem sollte ich mich fürchten?“ (27,1). Er vertraute auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit und er wusste, dass der Herr ihm Kraft geben würde: „Der HERR ist meines Lebens Kraft“ (27,1; Lutherübersetzung 1984).

Es ist klar, dass David so weitermachte, wie er es immer getan hatte: sein Leben leidenschaftlich zu führen. Doch trotz aller Segnungen, die er erfahren hatte, fehlte ihm etwas. Als er auf sein Leben zurückblickte, sah David ein Bedürfnis in seiner Seele, das noch nicht gestillt war. Sein ganzes Leben reduzierte sich auf diesen einen Punkt, und er schrie wegen ihm zu Gott.

David sagte praktisch: „Es gibt eine Art zu leben, die ich jetzt suche – einen beständigen Platz im Herrn, nach dem meine Seele sich sehnt. Ich möchte eine ununterbrochene geistliche Vertrautheit mit meinem Gott.“ Das ist es, was David meinte, als er darum bat, „zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken in seinem Tempel“ (27,4).

David sprach hier nicht davon, seinen Thron zu verlassen, um in den physischen Tempel Gottes zu ziehen. Nein, sein Herz sehnte sich nach etwas, das er im Geist sah. Für David musste es mehr geben als ein Sabbattag-Anbetungstreffen. Er spürte, dass da etwas vom Herrn war, das er nicht bekommen hatte, und er würde nicht ruhen, bis er es gefunden hatte.

Er sagte, kurz: „Es gibt eine Schönheit, eine Herrlichkeit, eine Begeisterung über den Herrn, die ich in meinem Leben noch nicht erfahren habe. Ich möchte wissen, wie es ist, ununterbrochen Gemeinschaft mit meinem Gott zu haben. Ich habe Siege erlebt, ich bin gerettet worden, ich habe seine Hand Wunder wirken sehen – doch ich sehne mich nach etwas Unerschütterlichem. Ich möchte, dass mein Leben ein lebendiges Gebet ist. Nur das wird mich durch den Rest meiner Tage bringen.“

Dieser gottesfürchtige Mann hatte leere Zeremonien satt, in denen er Priester und Anbetende sah, die leblose Formalitäten der Religion erledigten. David sah in ihren Ritualen nur eine Form von Religion, eine, die keine Kraft hatte. Sein Herz schrie: „Das ist alles falsch. Das ist es, weshalb Menschen aus der Anbetung herausfallen und sich den Götzen zuwenden. Es liegt keine Schönheit darin, keine Leidenschaft. Ich liebe Gottes Haus, aber was ist mit dem Leben geschehen? Das Gesetz wird immer noch gelehrt, aber es ist zu totem Wissen geworden. Heutzutage verlasse ich den Tempel mit niedergeschlagener Seele.“

David wollte das Leben kennen lernen, die Wirklichkeit, hinter den religiösen Ritualen. Wer war das Opferlamm? Was war die Realität hinter dem Weihrauch, hinter dem Leuchter? Davids Herz sehnte sich danach, es kennen zu lernen, und er traf eine Entscheidung: „Ich habe genug – ich kann so nicht weitermachen. Ich bin einfach nicht zufrieden. Ich werde nicht den Rest meines Lebens mit diesen unerfüllten geistlichen Sehnsüchten verbringen. Von nun an habe ich nur noch ein Ziel, ein Verlangen im Leben. Ich werde in der Gegenwart des Herrn wohnen und nach ihm fragen, bis ich bekommen habe, wonach mein Herz sich sehnt.

Ich glaube, dass da heute Millionen hingegebener Christen sind, die den Herrn lieben, aber spüren, dass in ihrem Leben etwas fehlt. Dutzende Leser schreiben, dass ihre Gemeinde leblos geworden ist: „Die Predigten unseres Pastors sind so tot. Er predigt etwas, das er aus einem Buch hat, und nicht vom Suchen nach dem Herrn. Nach jedem Gottesdienst frage ich mich schließlich: ‚Ich bin gerade in der Gemeinde gewesen. Warum fühlt sich meine Seele so niedergeschlagen?’“

David ging mit diesem Anliegen nicht zu seinen Pastoren, den Priestern Abjatar und Zadok. Noch verließ er nicht die Gemeinde. Tatsächlich hörte er nie auf, „hinauf“ zum Haus des Herrn zu gehen. Stattdessen beschloss er: „Wenn Gottes Haus ein Haus des Gebets ist – und wenn seine Gemeinde überall da ist, wo seine Gegenwart manifest ist –, dann werde ich meine Gebetskammer zu einem Zelt der Begegnung machen. Ich habe mein Herz darauf gerichtet, seine Schönheit zu suchen, bis ich dahin komme, ihn zu erkennen. Ich werde an ihn ‚meine Augen fesseln‘, bis ich etwas sehe, das mich so sehr anzieht, dass ich weiß, es wird schließlich meine Sehnsucht stillen.“

Also ging David zu seinem eigenen Haus und betete: „Höre, Herr, mit meiner Stimme rufe ich: sei mir gnädig und erhöre mich!“ (Psalm 27,7). Mit anderen Worten: „Herr, ich möchte ununterbrochen Gemeinschaft mit dir haben. Bitte, was muss ich tun, um dieses Verlangen zu stillen?“

Gott antwortete mit diesen einfachen Worten: „Suchet mein Angesicht!“ (27,8). Wie reagierte David darauf? Er antwortete: „Herr, als du sagtest: ‚Suchet mein Angesicht’, da hüpfte mein Herz deswegen.“ „Mein Herz sagt zu Dir: Dein Angesicht, Herr, werde ich suchen“ (27,8; a. d. englischen King James Version).

Das Angesicht Gottes ist sein Ebenbild, seine Spiegelung. So wie er antwortete, offenbarte der Herr David, wie er seine Sehnsüchte stillen sollte: durch wiederspiegeln Gottes in seinem eigenen Leben. Er wies David an: „Lerne von mir. Suche mein Wort und bete um Verständnis durch den Heiligen Geist, sodass du mir ähnlich sein kannst. Ich möchte, dass dein Leben der Welt gegenüber meine Schönheit widerspiegelt.

Das war nicht lediglich ein Ruf zum Gebet; David betete schon siebenmal am Tag. Tatsächlich sind es Davids Gebete, die in ihm die Sehnsucht weckten, den Herrn zu erkennen. Nein, dieser Ruf von Gott war, nach einem Lebensstil zu hungern, der total widerspiegelt, wer Jesus ist.

Sehen Sie, auf Golgatha nahm Gott ein menschliches Gesicht an. Jesus kam als Mensch auf die Erde, als Gott im Fleisch. Und er tat es, um unseren Schmerz spüren zu können, um versucht und geprüft zu werden wie wir, und um uns den Vater zu zeigen. Die Schrift bezeichnet Jesus als „Abdruck“ (was bedeutet: genaues Ebenbild) Gottes. Er ist wesensgleich und aus dem gleichen Stoff wie Gott, der Vater (siehe Hebräer 1,3), der gleiche „eingravierte Zuschnitt“. Kurz: Er ist in jeder Hinsicht „dasselbe wie“ der Vater in allen seinen Wegen.

Bis auf den heutigen Tag ist Jesus Christus das Antlitz oder genaue Abbild Gottes auf der Erde. Und durch ihn haben wir ununterbrochene Gemeinschaft mit dem Vater. Durch das Kreuz haben wir das Privileg, „sein Angesicht zu sehen“, ihn zu berühren. Wir können sogar leben wie er, indem wir bezeugen: „Ich tue nichts, außer das, was ich vom Herrn sehe und höre.“

Heute, wenn Gott sagt: „Sucht mein Angesicht“, schließen seine Worte mehr ein, als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte. Warum? Weil die Frage, die heute von einer Vielzahl gestellt wird, lautet: „Welchen Jesus?“

Christus warnte davor, dass viele Hochstapler kommen würden und sich selbst als ihn darstellen würden. Und diese falschen Christusse würden gerade vor seiner Wiederkunft auftreten, am Ende der Welt. Jesu Jünger hatten ihn gefragt: „Was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ Und der Herr antwortete: „Viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen“ (Matthäus 24,3.5). Dann gibt uns Jesus ausführliche Anweisungen: „Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht!“ (24,23).

Ich glaube nicht, dass Jesus von gestörten Leuten in weißen Gewändern und zotteligen Bärten spricht, die behaupten: „Ich bin der Sohn Gottes.“ Nein, er beschreibt fehlgeleitete Geistliche, die ein anderes Evangelium und einen anderen Christus verkündigen. Paulus warnte vor Männern, die „einen anderen Jesus (predigen), den wir nicht gepredigt haben … ein anderes Evangelium“ (2. Korinther 11,4).

Ebenso warnte Jesus: „Es werden aber falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen … um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen“ (Markus 13,22). Diese Worte von Jesus haben mich immer beschäftigt. Ich habe mich gefragt: „Wie könnten die Auserwählten möglicherweise durch irgendjemanden getäuscht werden, der umhergeht und damit prahlt, Christus zu sein? Solche Leute würden doch als ein Witz abgetan werden?“

Aber Jesus und Paulus sprechen nicht nur von Menschen, die behaupten, göttliche Macht zu besitzen. Sie sprechen auch von Konzepten, die Anspruch auf Christusähnlichkeit erheben, einschließlich neuer „Jesusbewegungen“. Dies geschieht, wenn die Menschen sagen: „Hier ist das Angesicht Jesu. So sieht er aus. Wir haben den wahren Christus erkannt, also lasst uns euch zeigen, wie er ist.“

Solche Bewegungen werden nicht von Wahnsinnigen geführt werden, sondern von gebildeten Leuten, die wissen, wie man die Massen erreicht. Diese wortgewandten Lehrer weichen von der Autorität der Schrift ab und glauben nicht länger an die Kraft des Gebets. Stattdessen geben sie sich als Engel des Lichts, um neue, „erleuchtete“ Konzepte einzuführen, von denen sie sagen, dass sie Jesus widerspiegeln. Sie werden besonders jungen Menschen zusagen, die die tote Religiosität satt haben, die sie in der Kirche erfahren haben.

Paulus warnt uns mit klaren Worten vor solchen Leuten, die „von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber ab<gewandt und verdorben>“ sein werden, „… falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen“ (2. Korinther 11,3.13).

Diese neue Bewegung behauptet, das „überdenkende Christentum“ zu sein. Sie begann vor etwa zehn Jahren, startete mit kleinen Gruppen von Gläubigen, die von der „sünderfreundlichen“ Bewegung der Megagemeinden-Bewegung desillusioniert war. Ein Reporter nennt es eine Bewegung des „Mega-Burnout“, bestehend aus jungen Menschen, die des oberflächlichen Evangeliums der Selbsterfüllung müde sind.

Eine Umfrage der Barna Group fand heraus, dass etwa 10 bis 12 Millionen „wiedergeborene“ Christen in Amerika aufgehört haben, in die Gemeinde zu gehen, viele von ihnen aus der „Babyboom-Generation“. Sie sagen, sie seien Suchende und wollten eine Gemeinde, die ihnen Asyl vor einer Kultur der iPods, TiVos und Xboxes, vor Wettbewerb und Größe bietet. Aber sie sagen, dass die Kirche sie enttäuschte. Sie war überhaupt kein Asyl vor der Welt, sondern wie Disney World, mit Skateboardern, Sportligen, Cafés, Spielhallen – all das Zeug, dem sie zu entkommen versuchten.

Ein Schreiber erklärt: „Uns wurde gesagt, dass alle diese Dinge in der Gemeinde dazu bestimmt waren‚ ‚Suchende anzuziehen’. Aber wir fragten: ‚Sie anziehen zu was?’ Wir suchten in den Schriften und fanden nichts in diesen Gemeinden, das der Gemeinde der Apostelgeschichte ähnelt.“

Die Wahrheit ist, dass viele Suchende diejenigen sind, die aufrichtig „das Angesicht Christi suchen“. Sie suchen überall nach einer Gemeinde, in der die Gegenwart Jesu – der Christus aus Gottes Wort – spürbar ist. Sie suchen Pastoren, deren einziges Bestreben ist, wie Christus zu sein und die wie Jesus leben; keine schlauen Leute, die ein vermischtes Evangelium anbieten. Sie wollen eine Gemeinde, die in Wahrheit gegründet ist – keine Wohlfühl-Vorträge darüber, wie sie ihr Potenzial entfalten, sondern seelenüberführende Botschaften vom Herzen Gottes, die Sünde aufdecken und deren Kraft in ihrem Leben brechen.

Viele, die desillusioniert worden sind, werden jetzt zur Emerging-Church-Bewegung hingezogen. Eine Zeitung aus Dallas charakterisierte diese Bewegung so: „Viele Emerging Churches weben Elemente aus verschiedenen religiösen Traditionen zusammen, besonders aus dem Katholizismus und der östlichen Orthodoxie. Einige greifen mittelalterliche mystische Praktiken wie das ‚ Wandeln im Labyrinth’ wieder auf. Es ist eine den Selbstabholungs- und passend-mischen-Ansatz betonende Gemeinschaft und sozialer Schiedsrichter. Die Hölle wird abgelehnt, ‚weil sie Gott wie einen Folterer erscheinen lässt.’“ Solche Gemeinden benutzen Bilder, Kerzen, Weihrauch und andere Gegenstände in der Anbetung.

Viele dieser Gemeinden verbinden sich miteinander durch Internet-Blogs, und die Bewegung dringt in etablierte Denominationen ein. Ihre gemeinsamen Behauptungen sind: „Wir versuchen, wieder mit Jesus verbunden zu werden – dem radikalen Jesus.“ „Wir wollen Christus ein mehr menschliches Gesicht geben.“ „Lasst uns in einen Dialog treten und gemeinsam versuchen, Jesus zu verstehen.“ Nein! Sie setzen Christus ihr eigenes Gesicht auf, und es ist nicht der Christus der Schrift. Jede Theologie, alle Vorstellungen von Jesus sind für sie verhandelbar. Sie ermuntern dazu, „unsere Fantasie an dem zu beteiligen, was Jesus sagte“. Einer ihrer führenden Sprecher erklärt: „Klarheit ist gut, aber manchmal kann das Intrigierende noch wertvoller sein.“

Denken Sie darüber nach, was damit gesagt wird. Klarheit ist die Grundlage des biblischen Christentums. Nichts kann klarer sein als Paulus’ Offenbarung des wahren Christus der Schrift. Er warnt: „Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, <wo> es <doch> kein anderes gibt; einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht! …

Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht! … Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch <eine> Offenbarung Jesu Christi“ (Galater 1,6-12).

Überlegen Sie jetzt, wovon die Emerging Church eigentlich redet, wenn sie das Intrigierende mehr als die Klarheit schätzt. „Intrige“ bedeutet „ein verborgenes, heimliches Programm“ oder „eine verdeckte Bemühung, Interesse zu wecken“. Paulus nennt das eine Umkehrung des Evangeliums Christi. Nur die Offenbarung Jesu, die in der Schrift offenbart wird, ist für Gott annehmbar. Und Paulus warnt mit unmissverständlichen Worten: „Mir ist gleich, wenn ein Engel vom Himmel kommt und dieses neue Evangelium predigt. Es ist ein gefälschtes Evangelium, geradewegs aus der Hölle selbst. Lasst jene, die es predigen, verflucht sein.“

Ich habe auch eine ernste Warnung für jeden jungen Pastor und jeden wahrheitssuchenden Menschen, der im Internet surft oder in Buchläden stöbert: Sie werden Bücher, Artikel und Blogs über neue Markenzeichen des Christentums finden, die sehr verständlich sind, sehr gut geschrieben, sehr gut präsentiert werden. Aber hüten Sie sich: Der Angelhaken, der benutzt wird, ist Jesus, ein anderer Jesus. Wenn Sie nicht den Christus des Wortes Gottes kennen, werden Sie getäuscht werden.

In über fünfzig Jahren des Dienstes habe ich jeden erdenklichen Wind sowie Wellen von falscher Lehre erlebt. Sie sammeln immer eine Anhängerschaft, und innerhalb weniger Jahre verschwinden sie, wobei sie viele mit Schiffbruch im Glauben zurücklassen. Und das war vor den Anfängen des Internets. Heute kann sich eine Lehre von Dämonen innerhalb von Stunden über die ganze Welt ausbreiten.

Die Emerging-Church-Bewegung ist nicht dabei, zu verschwinden. Sie wird sich zu unterschiedlichen Formen entwickeln, bis das, was Jesus prophezeite, eintreffen wird. Was mich traurig macht ist, dass Tausende von Geistlichen durch diese „gebildeten Stimmen“ verändert werden. Viele von ihnen werden getäuscht werden und anfangen, einen Jesus ihrer eigenen Vorstellung zu predigen, weil sie aufgehört haben, Gott zu suchen, und sich in neue Theologien der Radikalität vertieft haben. Anstelle des Wortes Gottes werden sie einen radikalen Jesus verkündigen, der gegen den Krieg ist, der das Establishment stürzen wird, der Armut auslöschen wird.

Jeder, der die Evangelien liest, weiß, was Jesus schon über alle diese menschlichen Angelegenheiten gesagt hat. Ja, unser Heiland liebte die Armen und gab seiner Gemeinde das Gebot, für Witwen und Waisen zu sorgen. Wir sollen durch unser eigenes Leben der Aufopferung und Hingabe die Liebe Christi für die Welt widerspiegeln. Aber die Emerging Church hat diesen Spiegel durch das Gemälde eines Malers ersetzt. Sie sagt, wir können Jesus mit jedem beliebigen Gesicht malen, das uns in den Sinn kommt. Dies ist ein direkter Angriff auf die Gottheit Christi, die dazu dient, ihn auf nichts weiter als eine menschliche Ebene herunterzuholen. Ich sehe es als den letzten Anschlag des Feindes auf die Gemeinde bevor Jesus wiederkommt.

Was sollen wir, die wir den mit Blut überströmten Christus von Golgatha lieben, tun? Gott gibt uns dieselbe Antwort, die er David gab, als dieser gottesfürchtige Mann durch Scharen von Götzendienern umringt war: „Suchet mein Angesicht!“ Das muss unsere eine, alles verzehrende Sehnsucht im Leben werden. Unsere eine Mission ist, in der ständigen, ununterbrochenen Gemeinschaft mit dem Christus der Herrlichkeit zu sein – die Schönheit Jesu in seinem Wort zu suchen und zu erforschen, bis wir ihn kennen und er unsere vollständige Erfüllung wird.

Und wir tun das alles in einer einzigen Absicht: damit wir ihm ähnlich sein können! Damit wir sein Abdruck werden, sodass diejenigen, die den wahren Christus suchen, ihn in uns sehen. Alle Evangelisation, alle Seelengewinnung, alles Ausstrecken der Missionen sind vergebens, wenn wir nicht das Angesicht Jesu erblicken und kontinuierlich in sein Bild verwandelt werden. Keine Seele kann gerührt werden, außer von solchen Christen. Und Jesus hat uns berufen, einer verlorenen Welt gegenüber, die verwirrt darüber ist, wer er ist, sein Angesicht widerzuspiegeln.

Als ich kürzlich las, schrie ich: „O, seht nur, was sie mit unserem kostbaren Herrn Jesus machen!“ Aber der Heilige Geist flüsterte mir zu: „Verzweifle nicht. Du weißt, wie das alles enden wird. Die Himmel werden sich öffnen und der König der Könige und Herr aller Herren wird auf einem weißen Pferd erscheinen. Er kam, um mit eisernem Stab zu herrschen. Und er wird jeden falschen Propheten ergreifen und mit seinem Schwert alles zerschlagen, was vom Antichrist ist.“

Jedes Knie wird sich an diesem Tag beugen, an dem wir sein Angesicht sehen!

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Bibelstellen – soweit nicht anders angegeben – nach der Elberfelder Bibel 2006. Die angegebenen Versnummern können bei einigen Bibelausgaben abweichen.

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