Auf die Kraft Gottes warten | World Challenge

Auf die Kraft Gottes warten

Gary Wilkerson
July 17, 2017

Wenn Sie die Kraft Gottes in Ihrem Leben brauchen, hat Jesus Ihnen etwas Besonderes zu sagen. Unmittelbar bevor er in den Himmel auffuhr – da er wusste, dass seine Jünger Kraft brauchten, um auf der Erde die Werke seines Reiches zu tun – gab er ihnen die Anweisung: „Ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet…“ (Lukas 24,49-50).

Die Anweisung lautete einfach: „Bleibt in der Stadt.“ Beachten Sie aber die nähere Bestimmung: „bis…“ Jesus sagte damit: „Euer Leben wird dasselbe bleiben, bis der Heilige Geist mit Kraft auf euch kommt.“

Das gilt für viele Christen, die ich kenne. Sie spüren, dass ihr Leben hinter den eigentlichen Absichten Gottes zurückbleibt. Sie sind unzufrieden und wollen mehr für ihre Ehe, ihre Arbeit, ihre Nachfolge Christi, ihren Dienst als Zeugen. Jesus verspricht ihnen: „Gott möchte diese Veränderungen für dein Leben. Doch sie geschehen nur durch die Kraft des Heiligen Geistes. Bis er kommt, werden die Dinge so bleiben, wie sie sind.“ Lukas berichtet in seinem Evangelium über diesen Moment, und er wiederholt die Szene in der Apostelgeschichte: „Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft“ (Apostelgeschichte 1,4-5).

Die Botschaft Jesu in diesen Abschnitten ist klar: „Wartet auf den Heiligen Geist! Handelt nicht voreilig, werdet nicht ungeduldig und geratet nicht in Panik. Ihr könnt die Werke des Reiches Gottes nicht aus Willenskraft erfüllen. Wartet im Glauben, und ihr werdet mit Kraft aus der Höhe ausgestattet werden.“ Tatsächlich geschah es genau so, wie er es versprochen hatte. Am Pfingsttag wurden die Jünger mit einer so starken Salbung Gottes erfüllt, wie die Welt sie noch nie gesehen hatte. In den zwei Jahrtausenden danach ist die Welt nie wieder dieselbe gewesen.

Die meisten von uns müssen sehr an der Disziplin des Wartens arbeiten.

Je mehr wir hasten und vorpreschen, um aus eigener Kraft Dinge für Gott zu erfüllen, desto mehr tritt seine Kraft in uns zurück. Im Alten Testament geschah das immer wieder. Israel eilte Gott ständig voraus, beeinträchtigte seine Pläne für sein Volk und brachte ihn um den Ruhm, den er als ihr treuer Befreier verdiente.

Manchmal verbündete Israel sich sogar mit heidnischen Heeren, um sich gegen größere Feinde zu verteidigen, was Gott ihnen verboten hatte. Dieselbe Tendenz haben auch wir heute. Unsere fleischliche Natur neigt einfach dazu, selbst vorzupreschen, statt auf den Herrn zu warten.

Elija wusste, was es heißt, auf Gott zu warten. Ich liebe diese Aussage über ihn: „Danach erging das Wort des Herrn an Elija … verbirg dich“ (1. Könige 17,2-3). Ich glaube, das sind die schwierigsten Worte, die ein Nachfolger Jesu zu hören bekommt. Sie entsprechen der Anweisung Jesu an seine Jünger: „Wartet“. Doch auf diese Anweisung folgte immer eine Verheißung: „bis…“! Mit anderen Worten: Der Herr ist treu und wird zu der von ihm gewählten Zeit handeln, wenn wir auf ihn warten.

Für die Jünger dauerte das Warten nur einige Wochen; Elija musste drei Jahre warten. Dies war die Zeit der Hungersnot, die Israel durchmachte, nachdem Gott zu ihm gesprochen hatte. Stellen Sie sich vor, wie hart diese Zeit für Elija war. Er hatte ein Wort von Gott, das in seinem Herzen brannte – aber es wurde ihm befohlen, drei lange Jahre zu schweigen.

Doch sobald die Jahre vorüber waren, sprach Gott zu Elija: „Geh und zeig dich … Ich will Regen auf die Erde senden“ (1. Könige 18,1). Zur vorbestimmten Zeit hatte Elija an einem erstaunlichen Segen teil, den Gott seinem Volk zukommen ließ.

Heute „zeigen“ viele von uns sich vor der Zeit, die Gott vorgesehen hat. Und am Ende landen wir in unserem Hamsterrad, verausgaben uns und ermüden uns im Dienst für das Reich Gottes. Freunde, die einzige Kraft, die wir je für Gottes Werk haben werden, kommt aus der Zeit, die wir im Gebet verbringen.

Wie ist es also, auf Gott zu warten? Für viele von uns ist jedes Warten eine äußerst unangenehme Erfahrung, mit der wir Langeweile, mentale Anspannung, Murren und Seufzen verbinden. Die Bibel zeichnet aber ein anderes Bibel von der Wartezeit der Jünger: „Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott“ (Lukas 24,51-51).

Was für ein Bild der Freude! Da lesen wir nichts von Sacktüchern oder Stöhnen. Für die Jünger war das Warten alles andere als langweilig. Warum? Sie hatten das Versprechen, das Jesus ihnen gegeben hatte. Das änderte alles. Außerdem betonte Christus, dass der Zeitpunkt allein Gottes Sache ist: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat“ (Apostelgeschichte 1,7).

Wenn dieser Moment kommt – wenn Gott uns sagt: „Geh und zeig dich … Ich will senden“ (siehe 1. Könige 18,1) –, wird er uns mit seiner Kraft ausstatten. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8). Was für ein herrlicher Moment das sein wird!

Die Kraft des Heiligen Geistes empfangen wir auf verschiedene Weise.

Die Bibel zeigt uns vier Arten, wie der Heilige Geist in unserem Leben wirkt Erstens, sagt Jesus, kann niemand ihn erkennen, wenn er nicht durch den Heiligen Geist von neuem geboren ist. Somit wohnt der Geist Gottes schon in jedem Christen. Zweitens werden wir aufgerufen, im Heiligen Geist zu bleiben, im Gebet innig mit ihm vertraut zu sein. Drittens sollen wir ständig mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, um ständig aus seiner Quelle lebendiges Wasser zu trinken. Das alles bedeutet nicht, dass der Heilige Geist uns verlässt, sondern vielmehr, dass wir an unserer Beziehung zu ihm beteiligt sind

Schließlich gibt es eine Ausgießung des Heiligen Geistes, die uns mit Kraft erfüllt, etwas, das wir selbst nicht hervorbringen können. Vielleicht fragen Sie sich: „Wenn ich aus dem Geist geboren bin und der Heilige Geist in mir wohnt und ich ständig aus seiner Quelle trinke, warum brauche ich dann noch eine Ausgießung des Heiligen Geistes?“ Wir brauchen sie, weil sie uns hilft, zu verstehen, wie sehr wir auf Gott angewiesen sind. Wir könnten die Werke seines Reiches nie aus eigener Leidenschaft oder aus eigenem Eifer tun. Es muss von ihm kommen.

In der Gemeinde stellen wir manchmal die Dinge auf den Kopf: Wir denken, dass Gott diejenigen Menschen wählt, die Feuer und Flamme sind und alle anderen für Gott begeistern. Aber der Herr sucht nicht nach einem feurigen Herzen, sondern nach einem hungrigen Herzen – einem Herzen, das er mit seinem eigenen Sinn, Herzen und Geist füllen kann. Das bedeutet, dass selbst die Schwächsten von uns geeignet sein können.

Beachten Sie, mit welchem Wort Jesus die Ausgießung des Heiligen Geistes beschreibt: „Bleibt in der Stadt, bis ihr bekleidet werdet mit Kraft aus der Höhe!“ (Lukas 24,49; Elberfelder). Dies deutet auf ein äußeres Werk des Heiligen Geistes in unserem Leben hin, auf etwas, das außerhalb von uns geschieht. Alles andere, was der Heilige Geist in uns tut, geschieht innerlich – dass wir von neuem geboren werden, dass er in uns wohnt, dass wir sein lebendiges Wasser trinken. Dies aber ist etwas, das Gott für uns tut. Wir sind davon abhängig, dass er es uns bringt.

Denken Sie darüber nach. Es kommt ein Moment im Leben jedes Christen, an dem der Heilige Geist in einer Weise wirken muss, die von außen auf uns kommt. Wir sind darauf angewiesen, dass er das Nötige tut – zu uns spricht, uns berührt, uns befreit. Genau das geschah, als die Jünger einen Dämon nicht aus einer leidenden Person austreiben konnten. Jesus sagte zu ihnen: „Diese Art kann nur duch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.“ Mit anderen Worten war eine völlige Abhängigkeit von Gott nötig. Wir müssen sagen: „Ich kann dies nicht aus eigener Kraft tun. Es geht nur durch Gottes Kraft.“ Doch Paulus ermutigt uns: „Warum gibt euch denn Gott den Geist und bewirkt Wundertaten unter euch? Weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft des Glaubens angenommen habt?“ (Galater 3,5).

Wenn Ihre Ehe immer mehr auseinanderbricht, braucht es einen Ehepartner, der mit Kraft bekleidet ist. Eine angeschlagene Beziehung braucht mehr als ein theologisches Wort; sie braucht ein lebendiges Wort von Gott, das in Kraft gekleidet ist.

Gemeinden, die nicht in Kraft gekleidet sind, findet man wie Sand am Meer. Es spielt keine Rolle, wie viele Älteste zu Rate gezogen werden. Eine klare Entscheidung kann durch ein oder zwei Diener getroffen werden, die mit Kraft bekleidet sind. Hier geht es um Zeit, die wir auf den Knien verbringen, und es ist ihm eine Freude, uns zu helfen! Jesus sagte den Jüngern: „Ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden“ (Lukas 24,49). Diese Verheißung erlangen wir nicht durch irgendetwas, das wir tun, sondern durch die Gnade unseres liebenden Vaters.

Ich sage Ihnen: Wenn seine Kraft kommt, ist nichts damit vergleichbar. Wir haben nicht nur selbst ein Bewusstsein des Heiligen Geistes in uns, sondern auch die Menschen um uns her spüren seine Gegenwart. Da ist eine gewichtige, herrliche Gegenwart und alle wissen, dass sie sich auf heiligem Boden befinden. Paulus beschreibt eine solche Situation in seinem Brief an die Korinther: Besucher fallen auf die Knie und rufen aus: „Wahrhaftig, Gott ist bei euch!“ So etwas geschieht nicht bei halbherzigen Gläubigen. Es setzt Menschen voraus, die bereit sind, in Freude und Glauben auf den Herrn zu warten.

Wir stehen vor einer 
ganzen Kultur, die nur durch Gebet und Fasten verändert werden kann.

Die Jünger mussten beten und fasten, nur um einen einzelnen Dämon auszutreiben. Wir müssen beten und fasten, um einer ganzen gottlosen Kultur zu begegnen. Nur durch Kraft aus der Höhe wird eine Änderung geschehen. Und das verlangt Christen, die nicht nur mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, im Heiligen Geist bleiben und im Heiligen Geist leben, sondern die treu auf den Heiligen Geist warten, um von ihm mit Kraft bekleidet zu werden.

Ich würde nicht über das „Warten auf die Kraft Gottes“ predigen, wenn ich nicht wüsste, dass diese Botschaft wahr ist. Meine Frau Kelly und ich haben diese Erfahrung selbst gemacht. Ich habe schon einmal über unseren abtrünnigen Sohn Elliot geschrieben, der heroinsüchtig war. Kein theologisches oder apologetisches Wort konnte ihn je berühren. Irgendwann wurde er obdachlos und Kelly und ich weinten uns seinetwegen jede Nacht in den Schlaf. Wir hatten alles versucht, was wir konnten, um unserem Sohn zu helfen – von Rehabilitationsprogrammen bis zu bestimmten Personen, die vielleicht zu ihm durchdringen konnten. In dieser schmerzlichen Zeit beteten wir voll Trauer und unsere Tränen schienen nicht zu versiegen. Es war eine der schwierigsten Zeiten meines Lebens.

Eines Abends kam Kelly zu mir und sagte, dass sie ein Wort vom Herrn gehört hatte. Ich merkte sofort, dass sie anders aussah – dass sie wirklich mit etwas von Gott umkleidet war. Sie sagte: „Ich hatte einen Traum. Elliot lag bewusstlos auf dem Boden. Jesus sagte, ich solle ihn aufheben, und ich tat es. Elliots Körper hing schlaff in meinen Armen, dem Tod nahe.

Dann hob Jesus ihn aus meinen Armen, und ich war erleichtert. Doch er wandte sich von mir ab, sodass ich Elliot nicht sehen konnte. Ich war so beunruhigt, Gary. Aber ich spürte ganz stark, dass der Herr uns sagte: ‚Ihr könnt das nicht selbst tun. Ihr müsst aufhören, euch einzumischen. Ihr könnt es nicht erkennen, aber ich bin dabei, ein Werk in Elliot zu tun, das euch verborgen ist.‘“

Einige Wochen später wurde unser Sohn vom Heiligen Geist ergriffen und verwandelt. Er erlöste Elliot völlig; der Heilige Geist veränderte und erfüllte ihn, sodass er heute ein starker junger Zeuge für Gott ist.

Gemeinde, wenn wir heute schwächeln, liegt es daran, dass wir nicht auf Gottes Kraft warten? Liegt es daran, dass wir uns „zeigen,“ bevor wir uns „verbogen“ haben? Ich erinnere Sie an Ihre heilige Berufung, auf Jesus zu warten. Er ist treu. Und wenn sein Wort durch den Heiligen Geist zu Ihnen kommt und flüstert: „Zeige dich,“ ist nichts im Leben damit vergleichbar.

An diesem Tag werden Sie sehen, wie der Himmel die Erde in einer Weise berührt, wie Sie es nie geahnt hätten. Sie werden mit größerer Überzeugung und Kühnheit sprechen als je zuvor. Sie werden Mut und Weisheit haben, die für Sie und andere Menschen zu Durchbrüchen führen werden. Sie werden über eine blutarme Gemeinde innerlich zerbrochener – und motivierter – sein. Und Sie werden mehr Freude in Ihrem Wandel mit Jesus erfahren als je zuvor.

Beten Sie mit mir: „Herr, ich will nicht leben, ohne dass du mich mit Kraft aus der Höhe bekleidest. Ich werde mich in dir verbergen und warten, bis dein Wort kommt und mir sagt: ‚Ich sende dich.‘ Ich werde diese Zeit im Glauben verbringen und auf den Tag warten, an dem du deine Herrlichkeit in meiner Ehe, meiner Familie, meiner Gemeinde, meiner Welt freisetzt. Was für ein herrlicher Tag wird das sein – und du bist treu, es geschehen zu lasen. Ich vertraue dir, Herr.“ Amen!

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