Höre auf, dich selbst zu verurteilen | World Challenge

Höre auf, dich selbst zu verurteilen

David WilkersonJune 1, 1978

Wenn ich an die erste Zeit meines geistlichen Dienstes denke, schäme ich mich – weil ich so viele aufrichtige Personen verurteilte. Ich meinte es gut, und oft war mein Eifer ehrlich und entsprang aus guter Absicht. Aber wie viele Menschen veranlasste ich zu Selbstverurteilung, weil sie meiner Vorstellung von Heiligung nicht entsprachen!

Damals predigte ich gegen jedes Make-up bei Frauen und gegen kurze Kleider. Ich verurteilte alles, was ich nicht als „zulässig“ einordnete. In einigen kräftigen Predigten verurteilte ich Homosexuelle, Geschiedene, Alkoholiker und Halbherzige. Ich vertrete immer noch die tiefe Überzeugung, dass Pastoren gegen das Eindringen von Sünde und Halbherzigkeit im Leben der Christen Stellung beziehen müssen. Es gefällt mir auch heute nicht, wenn christliche Frauen sich schminken wie eine Dirne. Minikleider mag ich nach wie vor nicht. Ich glaube mehr denn je, dass Gott Scheidung hasst. Ich bin immer noch überzeugt, dass Gott über Sünde und Halbherzigkeit nicht einfach hinwegsieht.

Doch in der letzten Zeit hat Gott mich immer wieder ermahnt, Menschen wegen ihrer Fehler nicht zu verurteilen, sondern ihnen eine Botschaft der Liebe und Versöhnung zu predigen. Warum? Weil die Gemeinde heute voll von Christen ist, die unter einer schweren Last von Schuld und Verdammnis leben. Sie brauchen keine ständigen Predigten über Gericht und Furcht – ihr Herz ist schon genug von Angst und Sorge erfüllt. Sie brauchen keinen Prediger, der ihnen sagt, wie zornig Gott auf sie ist. Sie zittern ja bereits vor Gottes Zorn. Sie müssen die Botschaft hören, die Johannes verkündete —

„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde“ (Johannes 3,17).

Jesus sagte zu einer Ehebrecherin: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr“ (Johannes 8,11). Warum also kann ich, und jeder meiner Pastorenkollegen, den Scharen von Christen, die heute wegen Ehebruch in Angst leben, nicht dieselbe Botschaft der Liebe bringen? Warum verurteilen wir geschiedene Christen bei einer Wiederheirat – obwohl sie aufrichtig Buße getan haben und entschlossen sind, nicht wieder in dieser Weise zu sündigen?

Kürzlich hielt ein zehnjähriger Junge mich nach einer Evangelisation an und bat mich, mir seine Geschichte anzuhören. Er war außer sich. „Meine Mama und Papa haben sich vor zwei Jahren scheiden lassen. Mama ist eine gute Christin und sie hat einen netten Christen geheiratet. Jetzt lebe ich mit Mama und meinem Stiefpapa zusammen, und ich liebe sie sehr. Aber meine Mama ist immer traurig und weint viel – weil ein Pastor ihr gesagt hat, dass sie in Sünde lebt. Kommt meine Mama in die Hölle, weil sie geschieden wurde und einen anderen geschiedenen Mann geheiratet hat? Ich bin ganz durcheinander, weil sie doch beide so gute Christen sind.“

Ich sagte diesem Jungen, was ich der ganzen Welt sagen will. „Wenn sie sich durch ihren eigenen Ehebruch scheiden ließ und wiedergeheiratet hat – dann lebt sie im Ehebruch. Gott hasst Ehebruch. Aber wenn sie Buße getan hat, vergibt Gott ihr, und sie kann neu beginnen wie ein neugeborener Christ. Sie lebt nicht in Sünde, wenn sie durch das Blut Christi Vergebung empfangen hat. Sie kann ein neues Leben ohne Schuld oder Verdammnis beginnen. Wenn Jesus Mord, Raub, Lüge, Stehlen usw. vergibt, dann vergibt er auch Ehebruch.“

Es erstaunt mich, dass wir Pastoren so bereitwillig nach Afrika gehen, um „den Heiden“ Vergebung zu predigen – aber so widerstrebend sind, den Christen zuhause Vergebung und Versöhnung zu predigen. Ein Pastor klagte mir einmal seinen Kummer über die vielen geschiedenen, gescheiterten, belasteten Menschen in seinem neuen Seelsorgebereich. Ich dachte: „Mein Bruder, du solltest dankbar sein, dass Gott dich auf einen so fruchtbaren Acker gestellt hat. Das sind die Menschen, die deine Hilfe am meisten brauchen. Sie brauchen einen Mann Gottes, der ihnen zeigt, wie sie einen ganz neuen Anfang machen können.

Ich bin ein glücklich verheirateter Mann, und mit Gottes Hilfe werden Gwen und ich immer zusammen bleiben, bis der Tod uns scheidet. Und Scheidung ist mir zuwider. Aber es bedrückt mich, dass die Gemeinde bereit ist, all diejenigen einfach „abzuschreiben,“ die einen Fehler begangen haben. Die Gemeinde bietet all denen Trost und Zuspruch, die „unschuldige Opfer“ sind: der betrogenen Frau; dem Mann, der von seiner Frau verlassen wurde; den vielen Kindern, die unter den Trennungen leiden.

Aber was ist mit den „Missetätern“ – den Sündern, denjenigen, die ihren unschuldigen Angehörigen Unrecht zugefügt haben? Wenn heute jede dritte Ehe mit einer Scheidung endet, bedeutet es, dass Millionen von Ehemännern und Ehefrauen „die Schuldigen“ sind. Ich bin nicht bereit, die Schuldigen aufzugeben. Der Dieb, dem Christus auf Golgatha vergab, war kein unschuldiges Opfer. Nein! Er war ein Übeltäter – er war ein Verbrecher. Aber in seiner Sünde wandte er sich im Glauben an Christus. Er empfing Vergebung und durfte mit Christus in die Herrlichkeit eingehen.

Was ist mit Homosexuellen und Lesben – und Alkoholikern? Wird eine Verurteilung ihnen irgendwie helfen? Nein! Tausendmal nein! Christus kam nicht, um diese Sünder zu verurteilen, sondern sie aus Liebe zu retten. Gott hasst homosexuelles Handeln, aber er verachtet Menschen nicht, die keine maskuline oder feminine Rolle erfüllen.

Letzte Woche sprach eine sympathische neunzehnjährige Krankenschwester mich an. Unter Tränen stieß sie ein trauriges Geständnis hervor. „Herr Wilkerson, ich bin lesbisch. Ich fühle mich so schmutzig und unrein. Die Gemeinde, zu der ich gehörte, sagte, ich solle nie wieder zurückkommen. Der Pastor meinte, er könne das Risiko nicht eingehen, dass ich vielleicht andere Frauen in seiner Gemeinde verleite. Ich sehe keinen anderen Ausweg mehr, als meinem Leben selbst ein Ende zu machen. Ich bin voller Angst und Verdammnis. Muss ich mich selbst umbringen, um Frieden zu finden?“

Sie wich immer wieder vor mir zurück, so als hielte sie sich für zu unrein, um in meiner Gegenwart zu sein. Ich fragte sie, ob sie Jesus immer noch liebte. „Oh ja,“ antwortete sie. „Mein Herz sehnt sich ständig nach ihm. Ich liebe Christus mit allem, was in mir ist – aber ich komme von dieser schlimmen Gewohnheit nicht los.“

Es war herrlich zu sehen, wie ihr Gesicht sich aufhellte, als ich ihr erklärte, wie sehr Gott sie liebt – trotz ihres Scheiterns. Ich sagte ihr: „Kapitulieren Sie nie vor Ihrer Sünde. Gott zieht eine Linie an dem Punkt, an dem Sie gerade stehen. Jede Hinwendung zu ihm wird Ihnen als Gerechtigkeit angerechnet. Jeder Schritt zurück über diese Grenze – weg von ihm – ist Sünde. Wenn wir uns ihm nahen, naht er sich uns. Bleiben Sie in dieser geistlichen Hinwendung zu Christus! Lieben Sie Jesus weiter – auch wenn Sie noch keinen vollständigen Sieg erfahren haben. Nehmen Sie täglich seine Vergebung an. Leben Sie einen Tag nach dem anderen. Bleiben Sie in der Gewissheit, dass Jesus Sünder liebt – dass er also auch Sie liebt!“

Erleichtert lächelte sie und meinte: „Herr Wilkerson, Sie sind der erste Pastor, der mir je einen Hoffnungsschimmer gegeben hat. Tief im Herzen weiß ich, dass Jesus mich immer noch liebt – und ich weiß, dass er mich von dieser Fessel befreien wird. Aber ich bin von allen immer wieder verurteilt worden. Danke, dass Sie mir Hoffnung und Liebe vermittelt haben.“

Liebe Leser dieser Predigt – leben Sie gerade unter Verdammnis? Haben Sie gegen den Herrn gesündigt – haben Sie den Heiligen Geist in Ihrem Leben betrübt? Führen Sie einen aussichtslosen Kampf gegen eine übermächtige Versuchung?

Sie brauchen nur in Gottes Wort zu forschen und Sie werden darin einen Gott der Barmherzigkeit, Liebe und unendlichen Güte entdecken. David sagte:

„Wenn du, Jah, die Sünden anrechnest, Herr, wer wird bestehen? Doch bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte“ (Psalm 130,3-4).

Eine verzweifelte Frau kam einmal in mein Büro und schluchzte: „Herr Wilkerson, Gott hatte mich vom Alkoholismus geheilt. Aber vor einiger Zeit war ich entmutigt und fing wieder an zu trinken. Jetzt kann ich nicht mehr aufhören. Ich habe so schwer gegen den Herrn gesündigt, dass ich nur noch aufgeben kann. Wenn ich daran denke, wie sehr ich ihn enttäuscht habe – und das nach allem, was er für mich getan hat. Es hat keinen Sinn – ich werde es nie schaffen.“

Ich bin überzeugt, dass mehr Christen ein geistliches Scheitern erleben, als die meisten von uns denken. Und es gibt eine dämonische Strategie, Mauern um dieses Scheitern zu errichten, um die Gescheiterten von Gott fernzuhalten. Aber wir brauchen nicht zuzulassen, dass der Teufel unsere zeitweiligen Niederlagen zur permanenten Hölle macht.

Ich glaube, es gibt buchstäblich Millionen von Menschen wie den jungen Matrosen, der einmal zu mir kam. Mit Tränen in den Augen sagte er: „Mein Vater ist ein Pastor, aber ich habe ihn ganz schrecklich enttäuscht. Ich bin so schwach und ich fürchte, ich werde dem Herrn nie so dienen, wie ich es sollte. Ich lasse mich zu leicht zur Sünde verleiten.“

Solche Bekenntnisse sind tragisch, aber es ist mir eine große Ermutigung, wenn ich daran denke, dass einige der größten Männer und Frauen der Bibel Zeiten des Scheiterns und der Niederlagen hatten.

Würden Sie Mose für einen Versager halten? Wohl kaum! Er war für Israel, was Washington und Lincoln zusammen für Amerika waren – und weit mehr als das. Aber betrachten Sie das Leben dieses großen Mannes, durch den das Gesetz gegeben wurde, einmal genauer. Seine Laufbahn begann mit einem Mord, gefolgt von vierzig Jahren, in denen er sich vor der Bestrafung versteckte.

Mose war von Furcht und Unglauben geprägt. Als Gott ihn berief, die Israeliten aus der Knechtschaft zu führen, bat er inständig: „Ach, Herr! Ich bin kein redegewandter Mann ... unbeholfen ist mein Mund und un-beholfen meine Zunge ... Sende doch, durch wen du senden willst!“ (2. Mose 4,10.13). Dies erregte Gottes Zorn (4,14). Sein Leben lang sehnte Mose sich danach, in das Verheißene Land zu gelangen, aber sein Versagen hinderte ihn daran. Trotzdem vergleicht Gott Moses Treue in Hebräer 3,1-2 mit der Treue Christi. Sein Scheitern hielt Mose nicht davon ab, in Gottes Siegeshalle des Glaubens zu gelangen.

Bei Jakob denken wir normalerweise an den großen Gebetskämpfer, der mit dem Engel des Herrn rang und den Sieg davontrug. Jakob empfing im Traum eine Vision vom Himmel und sah Engel auf — und niedersteigen. Doch das Leben dieses Mannes war von krassen Fehlschlägen gezeichnet, und die Bibel verschweigt nichts davon.

Als junger Mann täuschte Jakob seinen blinden Vater, um das Erbe seines Bruders an sich zu reißen. Als verheirateter Mann missachtete er seine Frau Lea, während er insgeheim eine große Liebe zu ihrer Schwester Rahel hegte. Er kam seiner Verantwortung als Ehemann nicht nach. Nach der Geburt jedes männlichen Kindes sagte Lea: „Diesmal endlich wird sich mein Mann an mich anschließen“ (1. Mose 29,34). Tatsache war aber – Jakob hasste sie.

Hier sehen wir einen Mann, der in einem Netz von Betrug, Mauschelei, Diebstahl, Untreue und Polygamie gefangen war. Und doch verehren wir heute den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

König David, Psalmendichter und mächtiger Krieger, erfreute sich am Gesetz des Herrn und nahm die Haltung eines gerechten Mannes ein, der sich nicht zu den Sündern halten würde. Doch wie schockierend sind die Schwächen dieses großen Mannes. Nachdem er Bathseba ihrem Ehemann Uria weggenommen hatte, schickte er diesen ahnungslosen Mann an die vorderste Front seiner Armee und damit in den Tod. Der Prophet Nathan erklärte, dass diese zweifache Sünde den Feinden des Herrn reichlich Anlass bot, ihn zu verlästern.

Stellen Sie sich den großen König vor, wie er neben einer gestohlenen Ehefrau an der Wiege seines toten, außerehelichen Kindes steht, in einer Welt voller Feinde, die wegen seiner berüchtigten Sünden gegen Gott fluchen. David steht als totaler Versager da. Und doch bezeichnete Gott David als einen „Mann ... nach seinem Herzen“ (1. Samuel 13,14). Er segnete auch den Mörder Mose und den hinterlistigen Jakob, weil diese Männer bereit waren, aus ihrem Versagen zu lernen und schließlich zum Sieg zu gelangen.

Wenn Sie wegen Ihrer Fehlschläge entmutigt sind, habe ich gute Neuigkeiten für Sie. Niemand ist dem Reich Gottes näher als der Mann, die Frau oder der junge Mensch, der seiner Niederlage ins Auge schaut, sich ihr zu stellen lernt und dann weitergeht zu einem Leben in Frieden und im Sieg. Hier sind die nötigen Schritte auf diesem Weg.

1. Haben Sie keine Angst, zu versagen. Das scheint eine unwillkürliche Reaktion zu sein. Als Adam gesündigt hatte, versuchte er sich vor Gott zu verstecken. Als Petrus Christus verleugnet hatte, scheute er sich, ihm zu begegnen. Als Jona sich weigerte, Ninive zu predigen, trieb seine Angst ihn ins Meer, um vor der Gegenwart des Herrn zu fliehen.

Aber Gott hat mir etwas gezeigt, das mir schon oft geholfen hat: Viel schlimmer als das Versagen ist die damit verbundene Angst. Adam, Jona und Petrus liefen nicht vor Gott weg, weil sie ihre Liebe zu ihm verloren hätten, sondern weil sie Angst hatten, dass er zu zornig wäre, um sie zu verstehen. Solche Angst benutzt Satan, um Menschen einzureden, jeder Versuch wäre zwecklos.

Der alte „Verkläger der Brüder“ lauert wie ein Geier darauf, dass Sie in irgendeiner Weise scheitern. Dann bietet er jede Lüge der Hölle auf, damit Sie aufgeben in der Überzeugung, dass Gott zu heilig oder Sie zu sündig sind, um wieder umzukehren. Oder er weckt in Ihnen die Angst, nicht perfekt genug zu sein, oder er redet Ihnen ein, dass Sie Ihre Niederlage nie unter die Füße kriegen werden.

Vierzig Jahre waren nötig, um die Angst aus Mose herauszubekommen, um ihn für Gottes Absichten brauchbar zu machen. In dieser Zeit musste Gottes Befreiungsplan fast ein halbes Jahrhundert hinausgezögert werden, während dieser eine Mann lernte, sich seinem Versagen zu stellen. Wenn Mose oder Jakob oder David wegen ihres Scheiterns resigniert aufgegeben hätten, hätten wie vielleicht nie wieder etwas von ihnen gehört. Aber Mose stand wieder auf und wurde einer der größten Helden Gottes. Jakob stellte sich seinen Sünden, wurde mit dem Bruder versöhnt, den er betrogen hatte, und erreichte einen neuen Gipfel des Sieges. David lief in das Haus Gottes, ergriff die Hörner des Altars, empfing Vergebung und Frieden und kehrte zur höchsten Erfüllung seines Lebens zurück. Jona machte eine Kehrtwendung, erfüllte seinen Auftrag, den er zuerst abgelehnt hatte, und führte einen ganzen Stadtstaat zur Buße und Befreiung. Petrus stand aus der Asche der Verleugnung auf und leitete eine Gemeinde zum Pfingsttag.

2. Auch wenn Sie gescheitert sind, geben Sie nicht auf. Immer wieder folgt erst auf das Scheitern eines Menschen sein größtes Werk für Gott.

Vor zwanzig Jahren saß ich in meinem kleinen Auto und weinte – so ein Desaster, dachte ich. Man hatte mich kurzerhand aus einem Gerichtssaal geworfen, während ich angenommen hatte, von Gott berufen zu sein, sieben Mördern im Teenageralter das Evangelium zu bringen. In den Tageszeitungen hatte ich mein Foto gesehen mit der Bildunterschrift: „BIBELSCHWENKENDER PREDIGER UNTERBRICHT MORDPROZESS.“ Mein Versuch, Gott zu gehorchen und diesen jungen Ganoven zu helfen, schien in einem schrecklichen Fiasko zu enden.

Mit Schaudern denke ich daran, wie viel Segen ich versäumt hätte, wenn ich damals in diesem düsteren Moment aufgegeben hätte. Wie froh bin ich heute, dass Gott mich lehrte, mich meinem Scheitern zu stellen und dann denn nächsten Schritt zu tun, den er mir zeigte.

Ich kenne zwei herausragende Männer Gottes, die – nachdem sie Tausenden gepredigt hatten –, dieselbe Sünde begingen wie David mit Bathseba. Einer der beiden Pastoren kam zu dem Schluss, dass er nicht weitermachen könne. Heute trinkt er und verflucht den Christus, den er früher verkündete. Der andere dagegen tat Buße und machte einen neuen Anfang. Heute leitet er ein internationales Missionsprogramm, das Tausende für Christus erreicht. Sein Versagen liegt hinter ihm und er geht weiter voran.

In meiner Arbeit mit Drogensüchtigen und Unverbesserlichen habe ich beobachtet, dass die Mehrheit derjenigen, die in ihre alten Gewohnheiten zurückfallen, schließlich stärker werden als alle anderen, wenn sie sich ihrem Scheitern stellen und zum Herrn zurückkehren. Ihnen ist die Macht Satans besonders bewusst und sie lehnen es völlig ab, auf eigene, menschliche Möglichkeiten zu vertrauen.

3. Auch wenn Sie gescheitert sind, hören Sie nicht auf, Gott anzubeten. Für Mose gab es nur einen Weg, siegreich zu bleiben, weil er eine ähnliche Veranlagung hatte wie so viele von uns heute. Er blieb ständig in der Gemeinschaft mit dem Herrn, „von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet“ (2. Mose 33,11). Mose pflegte diese innige Freundschaft mit Gott. Ich glaube, das Geheimnis der Heiligung ist ganz einfach: Bleiben Sie Jesus nahe. Schauen Sie beständig in sein Angesicht, bis Sie diesem Ebenbild, das Sie betrachten, ähnlich werden.

Eines Abends hielt mich eine verzweifelte Frau auf der Straße an und platzte mit einem schlimmen Geständnis heraus. Sie zerrte so heftig an meinem Ärmel, dass ich schon fürchtete, sie würde ihn zerreißen: „Herr Wilkerson, ich stecke gerade in der schlimmsten Situation meines Lebens. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Mein Mann hat mich verlassen, und es ist alles meine Schuld. Wenn ich daran denke, was ich Gott und meiner Familie angetan habe, kann ich nachts kaum noch schlafen. Was in aller Welt soll ich bloß machen?“

Einer Eingebung folgend sagte ich zu ihr: „Liebe Frau, heben Sie die Hände auf zu Gott, hier an dieser Straßenecke, und fangen Sie an, den Herrn zu preisen. Sagen Sie ihm, dass Ihnen bewusst ist, was Sie getan haben, aber dass Sie ihn immer noch so sehr lieben. Dann gehen Sie nach Hause und knien Sie nieder. Bitten Sie Gott um gar nichts – erheben Sie einfach Ihr Herz und Ihre Hände zu ihm und beten Sie ihn an.“

Dann ließ ich die Frau an der Straßenecke zurück – mit erhobenen Händen und tränenüberströmtem Gesicht den Herrn preisend schmeckte sie schon etwas von dem Sieg, der wieder in ihr Leben strömte.

Lassen Sie mich nun von Ihrem Versagen sprechen. Gibt es familiäre Probleme? Hat irgendeine schlimme Gewohnheit Ihr Leben so fest im Griff, dass Sie den Eindruck haben, nicht mehr davon loszukommen? Sind Sie in Ihren Gedanken oder in Ihrem Geist bedrängt? Hat Gott Ihnen eine Aufgabe gegeben, die Sie missachtet haben? Leben Sie nicht mehr im Willen Gottes? Plagt Sie die Erinnerung an das, was Sie einmal waren? Oder die Vorstellung von dem, was Sie sein könnten?

Dann beten Sie den Herrn mitten in Ihrer gescheiterten Lage an. Preisen Sie ihn! Erheben Sie ihn!

Vielleicht klingt das alles nach einer zu großen Vereinfachung, aber der Weg durch das Versagen ist so einfach, dass alle – ob Kinder, Ungebildete oder Akademiker – ihn erfolgreich gehen können. Christus sagt,

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Johannes 6,37; Luther).

„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und [mit eurem Versagen] Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).

Haben Sie keine Angst, zu versagen. Geben Sie nicht auf, wenn Sie gescheitert sind. Beten Sie Gott an, bis der Sieg kommt.

Der schwerste Teil des Weges ist die letzte halbe Stunde. Gehen Sie weiter, und Sie werden noch Ihren höchsten Gipfel erreichen.

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