Religion hassen, Jesus lieben | World Challenge

Religion hassen, Jesus lieben

Gary Wilkerson
September 18, 2017

In meinem Dienst reise ich in verschiedene Länder der Welt, und wenn ich in ein buddhistisches Land komme, bete ich für die Menschen dort, damit sie Jesus kennen lernen. Wenn ich einem muslimischen Land bin, bete ich für die Menschen, dass sie eine Offenbarung von Christus empfangen. Und wenn ich in Israel bin, bete ich, dass jeder Israeli Jesus kennen lernt. Ich möchte, dass alle Völker der Erde erfahren, wer Jesus wirklich ist. Und wenn ich dann wieder heimreise, bete ich, dass auch alle Christen Jesus kennen!

Ich hoffe, Sie haben die Pointe bemerkt – aber Sie verstehen hoffentlich auch, dass diese Bemerkung eine ernste Seite hat. Unser Leben als Nachfolger Christi handelt nicht von einer unterscheidbaren Religion. Es geht um eine erkennbare und erfahrbare Person – um Jesus. Das ist ein gewaltiger Unterschied und ist für unser tägliches Leben ausschlaggebend.

Die Bibel sagt uns, dass drei Dinge unserem Leben mit Christus entgegenwirken: die Welt, unsere fleischliche Natur und der Teufel. Ich habe mich oft gefragt: „Warum gehört Religion nicht zu dieser Liste? Denn auch sie steht unserer Beziehung zu Jesus entgegen.“ Doch dann wurde mir bewusst, dass Religion schon in allen drei Dingen enthalten ist!

Wenn ich das Wort „Religion“ gebrauche, spreche ich eigentlich von Religiosität. Damit ist gemeint, dass wir eine Religion – unsere theologischen Überzeugungen und Praktiken – in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen, statt hinter dem allen Gott zu lieben. Es ist Jesus, in dem wir leben und atmen und sind, und nicht irgendein System von Überzeugungen oder Werken.

Wenn man es so betrachtet, erweist Religion sich als Ausdruck unserer fleischlichen Natur, das heißt unserer sündigen Natur. Der Heilige Geist zeigt uns unsere Sündhaftigkeit, doch unsere fleischliche Natur benutzt die Religion als Fassade, durch die wir uns der Buße und Umkehr entziehen, damit wir ein gutes Gefühl über uns selbst haben. Mein Onkel Don Wilkerson nennt das „Frontsliding“ (sich hinter eine Fassade flüchten). „Backsliding“ (lau werden, vom Glauben wieder abfallen) geschieht, wenn Menschen von Jesus abfallen, indem sie zu einem sündigen Leben zurückkehren. Frontsliding bedeutet, in der anderen Richtung vom Glauben abzufallen: sich von Jesus abzuwenden und in Religiosität zu verfallen.

Nüchtern betrachtet, kann Religiosität viel bequemer sein, als von Jesu Liebe erfüllt zu leben. Wenn wir uns von seiner Liebe leiten lassen, kann es sein, dass wir der Welt ein wenig verrückt vorkommen. Und auf diese Weise wirkt die Welt uns entgegen: Wir werden vorsichtig und zurückhaltend in der Art und Weise, wie wir Christus lieben und ihm gehorchen.

Satan liebt Religiosität sicher. Wenn er uns nicht zum Glaubensabfall verführen kann – indem unsere Sinne durch Sünde oder durch Süchte taub werden – wird er uns dazu versuchen, in eine Fassade abzugleiten. Er lenkt uns auf Abwege, sodass nicht mehr die Liebe zu Christus unser Fokus ist, sondern religiöse Normen, Regeln und Bestimmungen, die praktikabel und messbar sind. Doch solche Dinge bringen kein Leben hervor, wie Paulus sagt, sondern führen stattdessen zum To.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich sage, dass wir die Religion hassen sollen. Was ich meine, ist, dass wir diejenigen Dinge hassen sollen, die zum geistlichen Tod führen, statt zu dem wahren Leben in Christus. Manche Prediger sagen, dass sie die Religion hassen, aber in Wirklichkeit meinen sie, dass sie sich gegen das heilige, gerechte Gesetz Gottes sträuben, das sie davon abhält, ihren irdischen Begierden nachzugehen. Sie predigen eine Freiheit, die bedeutet, ohne Gewissensbisse zu sündigen. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was ich meine. Religion zu hassen, bedeutet nicht, das eigene Fleisch (unsere irdische Natur mit ihren Begierden) zu lieben; es bedeutet, Jesus mehr zu lieben.

Zu dem, was mich in 
meinem Leben begeistert, gehört, ständig mehr zu lernen, wie groß Jesus ist.

In Jesaja 6 finden wir einen sehr bekannten, herrlichen Abschnitt über Jesus: „In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel” (Isaiah 6,1). In meiner Kindheit hatte ich immer diese Vorstellung vom Herrn im Kopf – dass er an einem fernen Ort weit weg von mir ist, eine Gestalt, die ich in der Sprache der King James-Bibel mit „Thee“ und „Thou“ anreden musste. [Im Deutschen dem Pluralis Majestatis oder der Anrede einer Hoheit in der 3. Person vergleichbar.]

Doch was hat unser erhabener, heiliger Gott uns geringen, sündigen Menschen zu sagen, die ihm folgen? Jesaja teilt uns mit: „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen” (57,15). Ja, unser Vater ist in der Tat heilig, majestätisch und herrlich – und doch lässt er sich zu uns herab, um in unseren demütigen, von Sünde befleckten Herzen zu wohnen.

Ich denke, jedes Kind versteht intuitiv, was der Unterschied zwischen der Ablehnung von Religion und der Liebe zu Jesus ist. Als meine Tochter noch klein war, steckte sie einmal den Kopf zwischen den Seiten der Zeitung hindurch, die ich gerade las. Ich war müde und schob sie beiseite, denn ich wollte einfach ein paar Minuten entspannen, bevor ich weiter an der Predigt für den nächsten Sonntag arbeiten musste. Aber sie schob ihren Kopf erneut unter der Zeitung durch, worauf ich sie wieder wegscheuchte, weil ich die Uhr meiner kurzen Entspannungszeit ticken hörte. Schließlich machte ich diesem Hin und Her ein Ende, indem ich fragte: „Na, Schatz, was willst du mir denn sagen?“ Sie antwortete: „Ich hab dich lieb.”

Sie erfasste den Unterschied zwischen Religion – meinem Perfektionismus als Prediger – und der Liebe zu Jesus, die sie mir durch ihr Verhalten demonstrierte. Gottes Wort zeigt, dass er möchte, dass wir so zu ihm kommen, wie meine Tochter zu mir – indem wir ihn „Papa“ nennen, unseren Abba, der uns nahe ist und keineswegs fern oder unerreichbar.

David ist die einzige Person in der Geschichte des Alten Testaments, der Gott „Abba“ nannte. Er schrieb: „Wie kostbar sind deine Gedanken über mich, Gott! Es sind unendlich viele. Wollte ich sie zählen, so sind sie zahlreicher als der Sand!“ (Psalm 139,17-18; NL). Mit anderen Worten: „Du kannst die kostbaren Gedanken, die Gott über dich hat, gar nicht zählen. Hebe am Meeresufer eine Handvoll Sand auf und überlege, wie viele Körner es sein mögen. So viele wunderbare Gedanken hat Gott in diesem Moment über dich. Betrachte nun den endlosen Sandstrand, der sich bis zum Horizont erstreckt, und denke über all die Gedanken der Liebe nach, die er für dich hat. Sie gehen nie zu Ende!”

Im Gegensatz dazu redet die Religion uns ein, dass wir erbärmlich sind – dass unser Leben nichts taugt und dass all unser Bemühen doch nur scheitern wird, bis wir keinen Sinn mehr darin sehen, weiterzumachen. Doch Jesus spricht uns die Wahrheit zu und sagt uns, dass wir überfließendes Leben haben, damit wir nicht länger in unseren Herzen zu kämpfen haben. Kurz gesagt: ein religiöses Herz führt uns von Jesus weg, während seine Liebe uns immer mehr zu ihm hinzieht.

Bei einer kürzlichen Reise in den Nahen Osten, wo wir eine Pastorenkonferenz hielten, merkte ich, wie ich zwischen diesen beiden Seiten hin- und hergerissen war. Viele dieser hingegebenen Pastoren hatten eine weite Reise auf sich genommen, um an der Konferenz teilzunehmen; deshalb wollten wir sicherstellen, dass jede Sitzung sich für sie lohnte. Das verstärkte meinen Perfektionismus. Nach jeder Sitzung konzentrierte ich mich gedanklich sofort auf die nächste. In den Pausen schlenderte ich durch die Stadt, um meine Botschaft für die nächste Sitzung noch einmal durchzugehen. Doch in dieser ganzen Zeit begegnete ich Menschen, die den Namen Jesus noch nie gehört hatten.

Irgendwann wurde mir das bewusst, und ich dachte: „Das ist nicht recht. Ich bin vorbereitet, zu diesen wunderbaren Pastoren zu sprechen. Meine ständigen Wiederholungen sind zuviel des Guten; es dient nicht den Pastoren, sondern nur meinem Perfektionismus. Und das ist Religion! Herr, lass meine Zeit auf den Straßen dieser Stadt so sein wie bei dir, als du durch Jerusalem gingst. Ich möchte mich auf die Menschen konzentrieren, denen ich begegne. Heiliger Geist, lenke meine Schritte.”

Nach diesem Gebet war mein Herz frei – und die Gespräche, die ich mit einigen Menschen führte, waren wunderbare, auf Jesus ausgerichtete Momente. Ich bin gewiss, dass ihr Echo bis in die Ewigkeit reicht.

Wenn wir uns entscheiden, so zu leben wie Jesus – zu tun, was er uns zeigt, und nicht das, was unsere fleischliche Natur will – brauchen wir nicht über 
die Finsternis zu schimpfen.

Religiöse Menschen neigen dazu, sich auf die Finsternis zu konzentrieren, statt auf das Licht. Ich höre so viele Christen heute bittere Worte ausspucken: „Die Kultur ist schuld“ oder „Die Regierung hat Fehler gemacht“ oder „Diese Interessengruppe übt einen negativen Einfluss aus.“ Wenn Sie so leben und handeln wie Jesus, werden Sie nicht über die Finsternis schimpfen, weil Sie sich schon ganz auf das Licht konzentrieren, das Sie bringen. Lassen Sie mich das durch ein Beispiel veranschaulichen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie in einem Gottesdienst sitzen und das Licht plötzlich ausgeht. Der ganze Raum liegt völlig im Dunkeln. Wenn ein Ordner nur ein kleines Licht in diesem Raum anzündet, wird es sofort von allen Anwesenden gesehen, ganz gleich, an welchen Platz er es stellt. Freunde, das ist ein Bild für Sie in einer völlig dunklen Welt. Auch wenn die Dunkelheit noch so weit reicht, kann Ihr Licht von jedem Menschen gesehen werden, der sich in Ihrer Nähe befindet. Es lässt sich nicht verstecken, also lassen Sie es leuchten! Und dann haben Sie es nicht nötig, sich in ängstliche Gespräche über unsere Kultur zu verstricken.

Eine solche Art zu leben holt Sie nicht nur aus dem Modus der Religiosität heraus, sondern versetzt Sie in die Liebe Jesu. Das geschieht nie aufgrund von religiöser Leistung. Johannes ruft uns in Erinnerung: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat” (1. Johannes 4,19, NL).

Wenn wir versuchen, die Werke Gottes aus eigener Kraft zu vollbringen – losgelöst von seiner Liebe –, wird keine Vollmacht dahinterstehen. Paulus unterstreicht: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle” (1 Corinthians 13,1). Im Gegensatz dazu gibt die Liebe Christi uns überall eine „Kanzel“, gestützt durch die ständige Vollmacht des Himmels: „Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene [die Liebe], so wird das Stückwerk aufhören” (13,8-10).

Wenn der Heilige Geist uns bewegt, in Liebe zu sprechen, sollen wir dies tun, auch wenn wir dabei ein wenig verrückt wirken. Meine Frau Kelly und ich waren kürzlich in der Times Square Church in New York City und gingen nach dem Gottesdienst in ein Restaurant. Ohne zu wissen, warum, wurde ich dazu bewegt, einem der Kellner in unserem Teil des Restaurants zu sagen, dass Jesus ihn liebt. Er sah mich nur an und wusste nicht, was er sagen sollte. Später sah ich, wie er den anderen Kollegen erzählte, was ich gesagt hatte, und bemerkte die üblichen vielsagenden Blicke, als wäre ich ein Spinner. Doch dann geschah etwas Interessantes: Als wir aufbrechen wollten, kam ein anderer Kellner herbei und fragte, ob ich für ihn beten würde!

Freunde, das ist der Unterschied zwischen Religion und der Liebe zu Jesus. Jesus zu lieben bedeutet, ihn zu bezeugen, auch wenn andere uns deshalb für verrückt halten – und dann die Macht Gottes wirken zu sehen. Jesus zu lieben heißt, Leben zu spenden und aktiv zu sein, und es macht SPASS!

World Challenge-Mitarbeiter im Nahen Osten und in anderen geschlossenen Nationen haben etwas sehr Ungewöhnliches berichtet. Sie treffen Menschen, die noch nie das Evangelium gehört haben, aber Träume und Visionen von Jesus hatten. Wenn sie diese Leute fragen, was für Träume es sind, antworten sie: „Jesus ist mir erschienen und hat mir gesagt, dass er mich liebt. Als ich aufwachte, beschloss ich, jemanden zu suchen, der diesen Jesus kennt oder der dieses Buch – die Bibel – hat, damit ich ihn kennen lernen kann.”

Das übersteigt unsere irdische Vorstellung von Religion. Wir denken, dass ein Mensch, um Christ zu werden, geistliche Gesetze kennen, auf die Knie fallen und ein bestimmtes Gebet sprechen muss. Aber das ist nicht die Art und Weise, wie Jesus Nikodemus, der sich in religiösen Dingen gut auskannte, den Glauben erklärte. Nikodemus hatte Mühe, zu verstehen, was Jesus damit meinte, dass er „von neuem geboren“ werden müsse; er fragte ihn: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?” (Johannes 3,4).

Nikodemus versuchte, Gottes Wege mit seinem menschlichen Verstand zu erfassen. Doch Jesus wies ihn darauf hin, dass Gottes Werke nie durch unsere menschliche Natur erfüllt werden: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist” (3,5-6). Das ist das Konzept, das hinter der Taufe steht: Wenn wir in das Wasser getaucht werden, wird unser altes Leben in der Tiefe begraben, und es beginnt ein ganz neues Leben, wenn wir aus dem Wasser auftauchen. Plötzlich sind wir mit Christus an himmlische Orte versetzt und unser Leben wird nicht länger von unserer fleischlichen Natur bestimmt.

Freunde, uns wurde etwas viel Besseres gegeben als Religion. Es ist an der Zeit, jede fleischliche Religiosität aus unserem Leben mit Christus zu entfernen und aus dem Tod aufzustehen, um ihm auf eine höhere Ebene zu folgen. Das ist das Herz dessen, was Jakobus einen „reinen und unbefleckten Gottesdienst vor Gott” nennt (Jakobus 1,27)—dass wir die Liebe nehmen, die wir erfahren haben, um sie frei und reichlich mit anderen Menschen zu teilen. Sie vertreibt alle Ängstlichkeit und Einsamkeit aus unserem Christsein – sie beseitigt alle Furcht in Bezug auf das, was wir „für den Herrn tun“ sollen, und ersetzt sie durch ein Herz, das seine Liebe empfängt und weitergibt. Mit einem Wort: Sie ändert alles für uns. Das ist reales, überfließendes Leben!

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